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2.Ein ganzes halbes Jahr

Das zweite Buch, das ich euch vorstellen möchte, ist nicht weniger tragisch oder herzzerreißend...: „Ein ganzes halbes Jahr“ (Originaltitel: „ Me before you" von Jojo Moyes  (erschienen im Rowohlt Verlag; Preis: 14,99 Euro) geht in die gleiche Richtung wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, aber es ist dennoch komplett anders. Es ist anspruchsvoller und realitätsgebundener, außerdem versteht J. Moyes es einen witzigen und zur gleichen Zeit  tot-traurigen Roman zu schreiben. Das Buch hatte weltweiten Erfolg und wurde in 31 Sprachen übersetzt.

 

Zum Inhalt. Louisa (Lou) Clark ist eine 27-jährige Frau, die ein normales Leben führt und sehr zufrieden damit ist: Sie wohnt bei ihren Eltern, zusammen mit ihrer Schwester und dessen Kind, arbeitet in einem Café und denkt nicht weiter in die Zukunft, als bis zum nächsten Tag. Das einzige Außergewöhnliche ist ihr exzentrischer Kleidungsstil. Doch das alles ändert sich, als ihr Chef das Café schließen muss. Auf einmal ist Louisa arbeitslos und muss darüber nachdenken, was sie eigentlich vom Leben erwartet. Dies gestaltet sich als äußerst schwierig, weil Lou eigentlich nur eins weiß, nämlich, dass sie nicht bei ihrem Freund Patrick arbeiten will. Auch die anderen Jobs, die ihr vom Jobcenter angeboten werden, wie bei einer Fast-Food Kette oder in einer Hühnerfabrik, sind nichts für sie.  Als Lou nach einer weiteren Pleite zum Jobcenter kommt, trifft gerade ein neues Stellenangebot ein: Ein reiche Familie aus ihrem Ort sucht eine Pflegehilfe für ihren Sohn, die sich aber um keine medizinischen oder körperlichen Bedürfnisse kümmern muss. Das Gespräch wird von Mrs Traynor, der Mutter, geführt, die nach wenigen Fragen Lou einstellt. Schon am nächsten Tag beginnt Louisa mit der Arbeit. Will Traynor, der Tetraplegiker (=bei der Lähmung sind alle 4 Gliedmaßen betroffen) für den sie jetzt arbeitet, stellt sich als unsympathischer und arroganter Macho heraus. Er lässt sich überhaupt nicht auf Lou ein und hält sie auf Abstand. Deswegen fängt Lou an sich dort extrem unwohl zu fühlen,  kann aber mit niemanden darüber reden, da alle aus ihrer Familie  andere Probleme haben. Nachdem Alicia, Will´s Exfreundin und Rupert, Will´s früherer bester Freund, zu Besuch da waren, um ihre Verlobung mitzuteilen bessert sich die Lage, da Lou anfängt Will zu verstehen. Die beiden finden einen Weg miteinander umzugehen, wobei Will meistens nur über Lou lacht oder sie veräppelt. Dies wirkt sich auf ihre Beziehung zu Patrick aus, da sie sich immer weiter voneinander entfernen. Ein paar Wochen später kommt Georgina, Will´s Schwester zu Besuch. Am Abend bekommt Lou zufällig ein Gespräch zwischen Mrs Traynor und ihrer Tochter mit. Dabei wird Louisa klar, dass Will in die Schweiz in eine Einrichtung möchte um eine Freitodbegleitung zu bekommen. Louisa erkennt, dass sie als „Babysitterin“ eingestellt wurde, damit Will, die der Mutter versprochenen, 6 Monate weiter lebt. Am Tag darauf hinterlegt sie Mrs Traynor ein Kündigungsschreiben, da sie mit der ganzen Situation und mit dieser Art von Selbstmord nichts zu tun haben will… Aber Mrs Traynor akzeptiert die Kündigung nicht und erinnert Lou an den unterschriebenen Vertrag, der für 6 Monate und nicht für weniger gilt. Lou geht die Situation sehr nah, da sie angefangen hat Will zu mögen. Sie stellt mit ihrer Schwester einen Plan auf, wie Lou Will das Schöne im Leben zeigen und somit seine Meinung zum Freitod ändern kann. Sie holt sich die Zustimmung der Familie Traynor, dass sie mit Will Ausflüge unternehmen darf, um ihm seine Möglichkeiten –trotz Rollstuhl- näher zu bringen. Die ersten Ausflüge sind ein kompletter Reinfall, da Will sich nicht wohl fühlt und Louisa überfordert ist. Trotzdem wachsen Will und Lou immer mehr aneinander:

 Will möchte, dass Louisa was aus ihrem Leben macht, dazulernt und ihr Leben mehr genießt. Louisa erzählt Will von ihren Beziehungsproblemen, ihren Wünschen und ihren Ängsten, sie plant neben ihrer Arbeit für Will auch einen Urlaub, weil sie Angst hat Will zu verlieren. Nachdem Lou ihm erzählt hat, dass sie und Patrick zusammen gezogen sind, verhält er sich sehr kalt und distanziert.  Als ein Mann zu Besuch kommt, den Will alleine sprechen will, recherchiert Lou und findet heraus, dass dieser Mann ein Testamentsanwalt ist. Bei einem Treffen mit Mrs Traynor erklärt Lou ihr, dass Will weiterhin auf den Freitod besteht. Während des Gesprächs kommt Lous Umzug zu Patrick zur Sprache und Mrs Traynor ist wütend, da Lou doch bemerkt haben muss, dass Will sie sehr mag.  Lou und Will finden wieder zueinander und gehen zusammen auf eine Hochzeit. Dort ist Will, zu Louisas Erstaunen, völlig entspannt und locker und die zwei tanzen zusammen. Da Lou etwas zu viel getrunken hat, nehmen sie sich ein Hotelzimmer für die Nacht. Am nächsten Morgen bringt sie Will zurück,  fährt aber selbst nach Hause, um am Nachmittag wieder zu kommen. Die Situation mit Patrick spitzt sich daraufhin weiter zu.  Lou plant trotzdem den Urlaub mit Nathan, Wills Pfleger,  und sich. Sie stellt den Plan der Familie Traynor vor, die zufrieden ihr Einverständnis geben. Nur Patrick stellt sich quer und fordert von ihr, dass sie den Urlaub absagt. Lou entscheidet sich für Will und zieht bei ihm ein, da er sie braucht und trennt sich von Patrick. Ihrer Schwester gesteht sie, dass sie glaubt Gefühle für Will entwickelt zu haben. Der geplante Urlaub fällt dann ins Wasser, weil Will mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wird.

 Dank der Unterstützung einer Internet- Community für Tetraplegiker schafft es Lou einen anderen Urlaub zu buchen, indem Will sich nach dem Krankenhausaufenthalt entspannen kann. Lou, Will und Nathan verbringen eine schöne Zeit auf Mauritius und Will kommt wieder zu Kräften.  Lou macht sehr viele neue Erfahrungen, wie zum Beispiel tauchen. Louisa und Will verbringen sehr viel Zeit zu zweit, da Nathan sich in eine Frau verliebt hat. Am letzten Abend küsst Lou Will und gesteht ihm ihre Liebe und das sie weiß das er in die Schweiz wollte. Will sagt Lou daraufhin, dass er Lou auch liebt, ihm das aber nicht genug ist, da er nie der Mann für sie sein kann, der er sein möchte. Er gesteht, dass sich seine Pläne mit der Schweiz nicht verändert haben: Er bittet sie, ihn in die Schweiz zu begleiten und bei ihm zu sein wenn er stirbt. Lou ist daraufhin sehr wütend und spricht nicht mehr mit ihm. Am Flughafen angekommen geht sie gleich nach Hause, aber erzählt Mrs Traynor vorher, dass sie Will´s Meinung nicht ändern konnte.  Lou zieht wieder bei ihren Eltern ein und bekommt einen Platz an einer Universität um Modedesign zu studieren. Aber Lou hat an nichts mehr Interesse, weil sie Will nicht vergessen kann und nur die Tage bis zum Ende zählt. Schließlich ist der dreizehnte August- der letzte Tag gekommen. Lou ist anfänglich  sehr ruhig, bis auf einmal viele Zeitschriften Sturm klingeln und anrufen, um Lous Seite zum Freitod zu hören, da sie von Wills Fall gehört haben. Am Abend ruft Mrs Traynor an und bittet Lou in die Schweiz zu kommen. Sie  fliegt in die Schweiz, weil sie findet, dass sie ihn richtig verabschieden muss und sie ihre eigene Abwesenheit ewig plagen wird, wenn sie Will im Stich lässt. Am nächsten Tag hat sie ein langes Gespräch mit Will und akzeptiert letztendlich seine Entscheidung. Sie ist bei ihm als er stirbt.

Im Epilog ist Lou in Paris und liest den letzten Brief von Will, der ihr bei der Testamentsvergabe gegeben wurde, indem bittet Will sie ihr Leben zu leben und zu genießen.

 

Auch in diesem Buch gibt es wunderschöne und witzige Stellen, die einfach mal hier genannt werden müssen:

-„Kann das Ding eine Reifenpanne kriegen?“, sagte ich schließlich und nickte Richtung seines Rollstuhls. „Ich hab nämlich keine Ahnung, wo ich den Wagenheber ansetzen müsste“ (S.79; Z.17-20)

-Ich sah seinen Mund unter dem Handtuch nicht, aber in seine Augen trat ein leicht erheiterter Blick. Ich wollte diesen Blick erhalten. Ich wollte, dass er glücklich war, wollte, dass sein Gesicht diesen getriebenen, wachsamen Ausdruck verlor. (S.144; Z. 24-27)

-Es ist einfach diese Sache, die man am Muttersein erst versteht, wenn man eine ist: Man sieht nicht den erwachsenen Mann vor sich. (..) Sondern man sieht all die Menschen, die er je war, in einem. Ich sah Will an und hatte das Baby vor mir, das ich in den Armen gehalten hatte (..). Ich sah das Kleinkind, das nach meiner Hand griff (..). Ich sah die Verletzlichkeit, die Liebe, die Geschichte. (S.160-161; Z. 29-32 & Z.1-9)

- Ich hatte hundertsiebzehn Tage, um Will Traynor davon zu überzeugen, dass es sich lohnte weiterzuleben. (S.198; Z.29f)

- Wissen ist Macht, Clark (S.313; Z.18)

-„Du Clark“, er sah auf seine Hände hinab, „bist der einzige Mensch, mit dem ich überhaupt reden konnte, seit dieser verdammte Unfall passiert ist.“ (S.356; Z.1-3)

- Ich kann gar nicht ausdrücken, wie viel besser ich mich fühlte, als ich sah, wie diese vornehmen Leute tanzten. Die Männer wirkten so steif, als hätten sie einen Stromschlag abbekommen, und die Frauen spießten ihre kleinen Finger Richtung Himmel und sahen auch noch bei ihren Drehungen schrecklich gehemmt aus. (S.378; Z. 12-17)

-„ Manchmal, Clark, bist du so ziemlich der einzige Grund, aus dem ich morgens überhaupt aus dem Bett kommen will“ (S.382; Z.29-30)

-(..), und da habe ich es gesehen. Sie wurde ein bisschen rot und lachte auf die Art, auf die man lacht, wenn man eigentlich nicht lachen sollte. Es war ein verschwörerisches Lachen. (S.385; Z.10-13)

-Kurz dachte ich, dass ich mich nie mehr so intensiv mit der Welt und einem anderen menschlichen Wesen verbunden fühlen würde wie in diesem Moment. (S.453; Z.18-21)

-„ Du… bist etwas ganz Besonderes, Clark“ (S.459; Z.18)

-„ Ich glaube, wir können alles Mögliche tun. Ich weiß, dass das keine von den üblichen Liebesgeschichten ist. Ich weiß, dass es unheimlich viele Gründe gibt, aus denen ich nicht einmal sagen sollte, was ich sage. Aber ich liebe dich. Wirklich. Ich wusste es, als ich Patrick verlasen habe. Und ich glaube, dass du mich auch ein bisschen liebst.“ (S.460; Z.24-29)

-„(..) Ich habe meinen Eltern sechs Monate versprochen, und die haben sie von mir bekommen. Du hast diese Zeit für mich wertvoller gemacht, als du dir vorstellen kannst.“ (S.466; Z.2-4)

 

 

Dieses Buch finde ich ganz außergewöhnlich, weil es auch ein sehr schwieriges Thema beinhaltet. Darf ein Mensch sein Leben beenden, wenn er das will oder nicht? Kann ein Mensch das überhaupt entscheiden? Und wie geht es dabei den Mitmenschen? Da J. Moyes das Buch aus mehreren Sichten geschrieben hat- zum Beispiel Kommen Mrs Traynor, Mr Traynor und Nathan zu Wort- ist es sehr vielschichtig. Man versteht irgendwie ein Stück weit  jeden Charakter im Buch, sodass es nach wie vor schwierig ist, eine allgemeine Aussage zu dem Thema zu treffen. In dem Fall von Will Traynor ist es sehr verständlich, da alle ihm ja beim langsamen Verfall zugeschaut hätten… Aber auch Lous Verhalten ist ungewöhnlich. Warum bleibt sie solange obwohl es so hoffnungslos ist? Diese Liebesgeschichte ist etwas ganz besonderes, vor allem weil einfach so viele Fragen offen bleiben: Was macht Lou aus ihrem Leben? Denkt sie häufig an Will? Manchmal sind Worte einfach nicht genug und bei diesem Buch ist das so. Deswegen muss man es unbedingt gelesen haben, um einfach das eigene Leben mit anderen Augen zu sehen.

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(Quelle: Ein ganzes halbes Jahr- Jojo Moyes; erschienen im Rowohlt Verlag; Preis:14,99 Euro)

 

 

 

 

 

18.2.15 16:32

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Schatzsucherin / Website (18.2.15 16:48)
Du hast auf jeden Fall einen guten Geschmack, ich LIEBE dieses Buch! :D Ich fände es aber noch besser, wenn du keine so genauen Inhaltsangaben machen um das Ende offen halten würdest, um dem Buch seine Spannung nicht zu nehmen. Ich freue mich aber auf weitere gute Buchtipps von dir! deine Schatzsucherin

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